Die ersten Tage und Wochen mit zwei Kindern (aus emotionaler Sicht)

Die ersten Tage und Wochen mit zwei Kindern Wochenbett Babyblues Kleinkind Baby

Nach nun bald vier Wochen als Zweifach-Mama ist es für mich persönlich an der Zeit, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren, sie niederzuschreiben und damit auch zu verarbeiten. Ich berichte über unsere ersten intensiven Wochen als neue vierköpfige Familie, über mein Wochenbett und was gefühlstechnisch alles so mit mir und uns passiert ist.

Bis gerade eben war ich mir nicht sicher, ob ich jemals so etwas wie einen Bericht über diese Zeit schreiben werde. Aber ich muss. Denn sie war intensiver, aufregender und aufwühlender, als ich es mir vorgestellt hatte. Sie war nicht immer schön. Sie war anstrengend und das obwohl das Baby so ruhig ist. Aber sie war (und ist) auch wundervoll. Ich schreibe deshalb ungeschönt über unsere erste Zeit zu viert, um zu verarbeiten, um zu erinnern und für dich – damit du weisst, dass du nicht alleine bist, wenn es dir gerade genauso geht.

Die Geburt, das erste Kennenlernen und die Zeit im Spital

Meine Tochter kam, wie auch ihr grosser Bruder, per geplantem Kaiserschnitt zur Welt. Ich weiss schon seit Kindertagen, dass mir dringend zu einer Sectio geraten wird. Dadurch war und bin ich absolut im Reinen mit der Art der Geburt – es geht nun mal nicht anders. Das soll aber kein Geburtsbericht werden, weshalb ich mich kurz fasse: Es war wunderschön. Mein Baby wurde mir direkt nach dem Kaiserschnitt auf die Brust gelegt, sie hörte sofort auf zu schreien, öffnete die Augen und ich wusste – ALLES ist okay. Es war okay, dass sie geholt wurde und ich liebte sie vom ersten Augenblick an.

Sie durfte wunderbare Stunden nackt auf meiner Brust verbringen. Bis tief in den Nachmittag. Bis kurz bevor der frischgebackene Bruder zu Besuch kam. Und wow – die erste Begegnung der beiden war magisch. Ich hatte keine Ahnung, wie er reagieren würde und war auf alles vorbereitet. Er kam zur Tür herein, begrüsste mich langsam und schaute sich bereits mit einem Auge im Zimmer um. Als er dann das Baby im Bettchen liegen sah, zögerte er nicht lange und streichelte sie vorsichtig. Er war ganz andächtig. Das ist er auch jetzt nach vier Wochen noch, wenn er sie hält oder berührt.

Ich wusste, dass der Grosse in besten Händen (die des Papas) ist, während ich meine Zeit im Spital absitze. Trotzdem war es nicht einfach. Ich konnte nicht abschalten und loslassen. Und so war ich mehr als froh, als ich nach 4 Tagen nach Hause durfte. Glücklich aber auch verdammt aufgeregt.

Der erste Tag zu Hause

Wir hatten ganz bewusst weder etwas geplant, noch uns etwas vorgenommen. Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Akklimatisierung. Vor allem für den Grossen. Aber auch für uns. Von Aussen betrachtet war der Tag mehr als langweilig. Ein schlafendes Baby, ein spielendes Kleinkind, das scheinbar gut mit der neuen Situation zurecht kommt und zwei Eltern, die keine einzige To-Do-Listen-Aufgabe erledigten. Doch in uns drin sah es anders aus. So ziemlich alle Gefühle der Welt fühlte ich gleichzeitig. Freude, Angst, Wehmut, pure Aufregung und gleichzeitig so viel Ruhe. Und das sollte noch einige Tage so bleiben.

Baby Blues statt Babyblase

Es lief gut – so richtig gut. Eigentlich. Der Grosse war wie immer, was mich sehr erleichterte. Die Kleine noch immer ein super ruhiges Baby. Ich bekam sogar richtig viel Schlaf und auch körperlich fühlte ich mich erstaunlich fit. Wenn mich jemand fragte „Wie läufts?“, dann konnte ich also nichts anderes antworten als „Gut!“. Aber warum fühlte ich mich dann so komisch? Das richtige Wort dafür fehlt mir noch immer. Es war etwas zwischen traurig, ängstlich, verzweifelt und überfordert. Ich war nicht von der Situation überfordert, sondern von diesen Gefühlen und meinen Gedanken. Ich machte mir unglaublich viele Sorgen um die Zukunft und ob ich das alles packen würde mit zwei Kindern. Keine Serie, kein Buch und kein Gespräch konnten mich ablenken, denn ich konnte mich auf nichts davon konzentrieren.
Es lief also gut – aber es ging mir nicht gut. Das alles lässt sich nur durch eins erklären – ich hatte den Baby Blues. Die Hormonumstellung war verantwortlich für meine ambivalenten Gefühle und das war mir auch schnell mal bewusst. Es machte das Ganze in dem Moment allerdings kaum besser.

Fühlst du dich ähnlich? Dann sprich mit jemandem darüber. Sollte es dir nach ein paar Tagen nicht besser gehen, dann wende dich an deine Hebamme oder deinen Arzt, um eine postnatale Depression frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Dieses riesige Gefühlschaos in mir drin war mir peinlich und unangenehm, weshalb ich es für mich behalten habe. Das war natürlich ein Fehler, was mir bereits da bewusst war. Aber ich wollte, in dieser für uns alle nicht einfachen neuen Situation, stark sein. Es wurde besser. Schon nach wenigen Tagen war es überstanden und ich fühlte mich wieder mehr wie ich selbst. Gleichzeitig wurde ich aber auch direkt auf den Boden der Tatsachen geholt. Mit Babyblase hatten die nächsten Tage nicht viel zu tun. Mein Mann war zwar zu Hause, um mich zu unterstützen aber trotzdem wollte ich die Familie, den Haushalt und alles drum und dran wieder im Griff haben. Nix mit rosa Babyblase, wie ich das vom ersten Kind kannte. Aber auch über diese Tatsache war ich nach kurzer Zeit hinweg.

Einen Monat nach der Geburt verblassen diese negativen Erinnerungen an die ersten Tage langsam. Das merke ich, weil ich, als ich den Text begonnen habe, noch so viel zu sagen hatte und als ich ihn wenige Tage später zu Ende geschrieben habe, nur noch wenig davon da war. Also möchte ich dich wissen lassen – es geht vorbei, schneller als du denkst und es heilt von selbst.

Man muss sich halt erst wieder finden

Jeder hat nun eine neue Rolle in unserer neuen, grösseren Familie. In diese Rolle muss sich eben jeder erst wieder reinfinden. Seit ein paar Tagen ist der Alltag eingekehrt, was viel geholfen hat. So sind wir alle wieder wieder in unsere alte Rolle geschlüpft – mit einer neuen Komponente. Dem neugeborenen Mädchen im Haus. Mein Mann hat seine Arbeit und damit seinen Ausgleich wieder. Ich habe meine Routine und gewohnte Abläufe zurück (zumindest einige davon) und der Grosse damit auch. Das scheint uns allen gut zu tun. Ausserdem hatte ich etwas aufzuholen mit meinem Sohn. Die Tage und Nächte im Spital. Und dann die Tage danach, in der er sehr viel Zeit mit Papa verbracht hat. Ich vermisste uns und fühlte mich etwas, als hätte ich ein bisschen den Draht zu ihm verloren. Doch das hatte ich zum Glück nicht.

Mittlerweile kann ich also sagen, es läuft gut UND mir geht es gut. Uns geht es gut.

In einem zweiten Teil werde ich über die ersten Tage und Wochen mit zwei Kindern aus praktischer Sicht berichten. Wie läuft das Schlafen und was sind die neuen Herausforderungen (im Wochenbett) mit zwei Kindern?

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